Das Gentleman-Agreement

In einem vorigen Post habe ich angedeutet, dass es gleich wäre, ob nun eine internationale Geheimdienstclique alle Daten über uns kennt oder ob die Daten öffentlich für alle zugänglich sind. Das ist natürlich etwas ungenau.

Für viele Menschen scheint es wichtiger zu sein, was die Nachbarinnen über sie wissen als irgendwelche Geheimdienste. Dieser Unterschied ist auch von praktischer Relevanz: Wer etwa gegen das Gesetz verstößt, muss sich davor fürchten, was die Strafverfolgungsbehörden des eigenen Landes über sie wissen. Von der NSA und den anderen Geheimdiensten droht ihr erst mal keine Gefahr. Denn die Geheimdienste haben an einfachen Kriminellen gar kein Interesse.

Das ist wohl einer der Gründe für die allgemeine Lethargie, die nach den Snowden-Enthüllungen herrscht. Alle haben etwas zu verbergen, warum sie sich um ihre Privatsphäre sorgen. Aber nicht vor einer geheimen Abteilung des US-Militärs. Weil die machen ja nichts. Und so besteht ein stilles Abkommen zwischen den Geheimdiensten und den Gesellschaften: Solange ihr unsere Privatspäre nicht öffentlich untergrabt, könnt ihr weiter meine Kommunikation abhören. Das Leben geht ja weiter. Wenn dann sogar noch Terroranschläge verhindert werden können, ist es sogar ein super Deal.

Dieser Schluss ist für die meisten Menschen auch erst mal zutreffend. Zumindest, solange sie keine verantwortliche Position in ihrer Gesellschaft anstreben. Dann würde es für die Geheimdienste nämlich doch interessant, ihre Daten nicht nur zu speichern, sondern sie auch gegen diese Menschen zu verwenden. Natürlich nur, wenn sie politisch nicht auf der Linie der Geheimdienste agieren. Ein Perpetuum Mobile der Macht: Macht erhält, wer den Diensten die Macht erhält.

Das Bürgertum der Wohlhabenden deckt dabei die Machthaberinnen im Schatten durch schweigende Zustimmung. Im Gegenzug schützen die das bürgerliche Gesellschaftsmodell.