Die soziale Lösung

Die soziale Lösung für das Problem der totalen Überwachung durch internationale Geheimdienste und Unternehmen ist zugleich die anspruchvollste und komplexeste. Darum werde ich sie hier nur anreißen. Eigentlich sollte sie gar nicht von einer politischen Lösung unterschieden sein, weil das Politische Ausdruck des Sozialen sein sollte. Dass das Politische in den repräsentativen Demokratien aber losgelöst vom Sozialen besteht, ist schon eine der großen Schwierigkeiten. Noch schlimmer wäre es, wenn diese Einschätzung falsch ist, wenn nämlich die politische Ignoranz gegenüber der Überwachung bereits Ausdruck der Überzeugungen der meisten Menschen ist, so wie ich es im Gentlemen-Agreement vermutet habe.

Nehmen wir aber mal an, dass der Prozess der Bewusstwerdung über die Gefahren einer totalen Überwachung erst in einem frühen Stadium ist und sich noch gesellschaftliche Mehrheiten dagegen finden lassen, so ergibt sich die erste Bedingung für die Beendigung von Überwachung und den Aufbau alternativer Infrastrukturen direkt: Wir brauchen eine breite Bewegung für das Erreichen dieses Ziels.

Das allein reicht jedoch nicht. Gesetze und technische Infrastruktur können nur den Rahmen für eine freie und offene Gesellschaft sein, sie jedoch weder hervorbringen noch garantieren. Wir benötigen eine breite Debatte um die Gesellschaften der Zukunft, für die wir heute den Grundstein legen. Es ist schon heute klar, dass ein Internet, dass per Design Privatsphäre schützt und anonyme Teilhabe an Diskursen ermöglicht, auch einen bewussten Umgang damit erfordert, sowie gesellschaftliche Strukturen, die das verlorene Vertrauen in Staat und Industrie auffangen können.

In den Gesellschaften der Zukunft wird Vertrauen von zentraler Bedeutung werden, sie werden fundamental auf Vertrauensnetzwerken aufbauen müssen. In einem anonymen Netz können Identität und Authentizität nur anhand von begründetem Vertrauen aufrecht erhalten werden. Die Schaffung von Vertrauensnetzwerken ist daher die größte Aufgabe für das dezentrale Internet der Zukunft. Diese Idee ist bereits im Peer-to-peer-Prinzip enthalten und in technischen Systemen wie dem Web-of-trust angelegt.

Die Antwort auf das Geheime liegt in der Offenheit. Offenheit heißt auch immer Angreifbarkeit und benötigt Verrauen. Vertrauen und Offenheit können nur in gegenseitigem Wechselspiel entstehen. Sie sind immer fragil und können immer misbraucht und hintergangen werden. Die soziale Lösung ist daher ein Prozess, der Öffnung und des Aufbaus von Vertrauensnetzwerken, die Stabilität und Schutz bieten.

In diesem Prozess wird es Rückschläge und Katastrophen geben, es muss sich ein globaler Dialog über unsere gemeinsame Zukunft entspannen. Dass es schwierig ist, auch gemeinsame Antworten zu finden, zeigt die Geschichte. Dennoch führt daran kein Weg vorbei. Der Prozess beginnt heute, erste Netzwerke bestehen schon.

Das heißeste Netzwerk zur Zeit heißt Retroshare. Vernetzt euch und verschlüsselt euer Zeug! Viel Spaß!